Reeser Karneval Verein e.V.

42 Jahre Rosenmontagszug

in Rees

Seit 1937 hatte es in Rees keinen Straßenkarneval gegeben. Reeser Jecken und Familien mussten jahrzehntelang nach Haffen-Mehr, in Nachbarstädte oder ins nahe Ruhrgebiet fahren, um einen Karnevalszug zu erleben. Ende 1982, nach einem Weihnachtssingen im Reeser Krankenhaus, trafen die Mitglieder des Männerchores „Harmonie“ in der Gaststätte Alt-Rees auf die Alt-Herren-Fußballer des SV Rees. Bei einigen Gläsern Bier kam die Idee auf, endlich wieder einen Straßenkarneval in Rees zu veranstalten. 

von Dirk Kleinwegen, Reeser Geschichtsverein RESSA 1987 e. V.
(aus der Jahrespublikation „Reeser Geschichtsfreund 16/2023“) 

Kaum war die Idee auf dem Tisch, den seit über 45 Jahren ruhenden Straßenkarneval zu beleben, sprudelten von allen Seiten die Einfälle. Der damalige Notenwart der „Harmonie“, Viktor Roers, schlug vor, in den verbleibenden Wochen einen Wagen zu bauen und damit Rosenmontag 1983 durch Rees zu rollen. Schnell verbreitete sich in der ganzen Stadt die Nachricht von dem geplanten Umzug. Immer mehr Vereine, Gruppen und Nachbarschaften meldeten ihr Interesse an. Unter der Schirmherrschaft der „Harmonie“ und mit tatkräftigem Einsatz der Sänger Hermann-Josef Scholten, Paul Pintzke und Günther Jansen, wurde 1983 der erste Rosenmontagszug in Rees veranstaltet. Im Laufe der Jahre wuchs das Angebot auf bis zu 500 Aktive mit 20 Wagen und sieben Musikgruppen an.

Das Thema Karneval war schon seit Gründung der „Harmonie“ im Jahr 1872 großgeschrieben worden. Regelmäßig wurde zu Narrensitzungen und Karnevalspartys eingeladen. 1977 gab es einen öffentlichen Rosenmontagsfrühschoppen in den Rheinterrassen Tillmann und einen Möhneball im Saal Holzum, der im ersten Jahr zur „Haifischbar“ umdekoriert worden war. In den Jahren danach folgten Möhnebälle zu Themen wie Zirkus, Kosaken oder Wilder Westen.

Um die Nebenkosten der Umzüge zu finanzieren, musste jede Gruppe ein Startgeld von 20 Mark und dazu eine Mark pro Teilnehmer zahlen. Zusätzlich erhielt man Spenden von der Volksbank, der Sparkasse, der Stadt Rees und weiteren Sponsoren. Um auch die Reeser Bevölkerung an der Finanzierung der Züge zu beteiligen, wurden jährlich wechselnde Verkaufsartikel angeboten. Es begann mit einem Aufkleber, danach folgten Buttons, Fläschchen, Pinnekes, Trinkbecher.

Um den immer weiter steigenden Anforderungen an die Organisation des jährlichen Umzuges gerecht zu werden, wurde am 4. Juli 2000 der Reeser Karneval Verein (RKV) gegründet. Der „Harmonie“-Vorsitzende Herrmann-Josef Scholten wurde in der Gründungsversammlung zum RKV-Vorsitzenden gewählt, zum Geschäftsführer Karl-Heinz Böing und Herbert Arendsen zum Kassenwart. Der Männerchor steuerte weiterhin zu jedem Rosenmontagszug einen der größten und aufwendigsten Wagen bei und übertraf sich dabei von Jahr zu Jahr selbst, was den Ideenreichtum und die investierten Arbeitsstunden angeht. 

Mal fuhren die Sänger als Ritter und Edelleute, als Clowns, Köche, Mexikaner, Sieben Zwerge, Max und Moritz, Shanty-Chor oder zur Fußball-WM 2006 als Fußballer mit. Rosenmontag 2003, zum 20-jährigen Jubiläum des Zuges, waren alle mit funkelnden Paillettenjacken und Zylindern gekleidet. Zum 25-jährigen Jubiläum leistete sich der Reeser Rosenmontagszugs ein eigenes Prinzenpaar. Bürgermeister Bruno Ketteler und die stellvertretende Bürgermeisterin Mariehilde Henning fuhren in vollem Karnevalsornat auf der Empore des Wagens mit.

Im Jahr 2015 wurde die Organisation des Reeser Rosenmontags in neue Hände gelegt. Den Vorsitz des Reeser Karnevalsverein übernahmen Frank Schenk, André Becker, Steffen Knoppik, Andreas Brolle, Marcus Woll und Nils Jonkhans.  Die „Harmonie“ wollte fortab im kleineren Rahmen und als Fußgruppe beim Rosenmontagszug mitziehen. Auch wenn die Planung und Durchführung der Veranstaltung wegen stetig wachsender Sicherheitsauflagen immer schwieriger und kostspieliger wurde, fand die neue Truppe perfekt in ihre neuen Aufgaben. Nur das hochdeutsche (!) Motto des 32. Zuges, „Ob jung, ob alt, der Reeser Zug, der knallt“, empfanden einige alte Hasen als Stilbruch. Danach wurde wieder auf Reeser Platt gesetzt.

Der Reeser Karneval Verein e. V. hat zwar nur sechs Mitglieder, aber mit rund 20 teilnehmenden Vereinen wird immer am Rosenmontag ein Umzug für Tausende Reeser auf die Beine gestellt. Der Verein besteht aus dem Vorsitzenden Frank Schenk, der für die verwaltungstechnischen Dinge, die Musik und die Pressearbeit zuständig ist. André Becker übernimmt die Kommunikation mit den teilnehmenden Gruppen. Steffen Knoppik ist für die Finanzen und Marcus Woll für die TÜV-Abnahmen der Fahrzeuge verantwortlich. Andreas Brolle und Nils Jonkhans sind während der Veranstaltung für die Sicherheitsleute zuständig, versorgen aber auch die Musikgruppen mit Getränken. 

„Ziel des Vereins ist, die Plattform zu schaffen, damit in Rees ein Rosenmontagszug stattfinden kann“, erklärt Frank Schenk. „Wir versuchen dem Ganzen ein Gesicht zu geben, damit die teilnehmenden Vereine einen Ansprechpartner haben. Außerdem bemühen wir uns,  alle Veranstaltungen anderer Karnevalsvereine im Stadtgebiet zu besuchen.“

Wegen Corona mussten 2021 und 2022 die Züge abgesagt werden, das erste Mal fiel ein Zug 1991 wegen des Golf-Krieges aus. Eine besondere Herausforderung für den Rosenmontagszug ist auch immer die Wettersituation. Einmal musste der Zug eine Stunde später starten, 2016 wegen des drohenden Sturmtiefs „Ruzica“ sogar komplett ausfallen. Doch die Sicherheit der Teilnehmer und der Zuschauer geht vor, aus diesem Grund ist es in all den Jahren zu keinen größeren Schäden gekommen. 

Im Jubiläumsjahr 2023, also 40 Jahre nach der Neuauflage durch die „Harmonie“, soll der Rosenmontagszug wieder an den Start gehen. Im Moment sieht noch alles gut aus, es sind keine Einschränkungen vorhanden, aber die Unsicherheit bleibt.

Nachdem der Zug nach langen 2 Jahren der karnevalistischen Abstinenz nun endlich wieder stattfinden konnte, hat der Reeser Karneval Verein die Zeit genutzt sich für die Zukunft aufzustellen!

Es wurden 5 junge Männer in den Verein aufgenommen, die auch gleich Aufgabenbereiche übernommen haben. Sie kümmern sich um die Finanzen, bauen Wagen und tragen dafür Sorge, dass die Socialmediakanäle mit Inhalten gefüttert werden.

In der Session 2024 / 2025 hat sich eine Tanzgarde dem RKV angeschlossen, die aus dem DJK TuS Esserden, hervorgegangen ist! Die Damen trainieren sich selbst und das 2 mal die Woche über das ganze Jahr. Neben ihren tänzerischen Darbietungen ist die Tanzgarde eine große Bereicherung für den RKV und den Reeser Karneval! Die  „Mädels“ haben Bock auf Karneval und möchten den Reeser Karneval langfristig mit gestalten.

Die Mottos der Reeser Rosenmontagszüge

Bis auf zwei Ausnahmen haben die Veranstalter ein Motto auf Reeser Platt gewählt. Da erst in den letzten Jahren die Platt-Wörterbücher von RESSA-Vorstandsmitglied Agnes Jay erschienen sind, gab es vorher keine offizielle Referenz. Teilweise wurden Wörter nicht übersetzt, über die Jahre wurden unterschiedliche Schreibweisen genutzt. Oft übernahmen die Zeitungen die Mottos in verschiedenen Formen. Auch die Übersetzungen ins Hochdeutsche waren unterschiedlich und teilweise sogar falsch. RESSA hat alle Mottos deshalb noch einmal von Agnes Jay übersetzen lassen.

1983: In Rääss, do kieke de Säkke dör de gläss (In Rees, da schauen die Ziegen durch die Fenster)  

1984: Wij fiere fastelowend van merges frug bes ovens (Wir feiern Karneval von morgens früh bis abends)

1985: Wej maken ons Pläsier, wenn t´hüss bleff, es en domm Dier (Wir machen uns Pläsier, wer zu Hause bleibt, ist ein dummes Tier)

1986: In Rääs steht alles Kopp (In Rees steht alles Kopf)

1987: Rääs wörd ömmer moojer (Rees wird immer schöner)

1988: Off Sonneschinn off Räägen, Fastelovend blef en Säägen (Ob Sonnenschein ob Regen, Karneval bleibt ein Segen)

1989: Gäck sinn es mooj – noch gecker moojer (Geck sein ist schön, noch gecker schöner)

1990: Wej sätte ons Maskes op – en dann steht alles Kopp (Wir setzen uns Masken auf und dann steht alles Kopf)

1991: Jonge, olde, groote en kleine Gäkke – alle weer dör Rääs römm trecke (Junge, alte, große und kleine Gecke - alle ziehen wieder durch Rees)

1992: Wej looten ons niet mehr verschrekke, det Joor duun weer träcke (Wir lassen uns nicht mehr erschrecken, dieses Jahr ziehen wir wieder)

1993: In Rees, door es wer groot Gemier, dänn Zug, dänn träkt et tiende Kier (In Rees, da ist wieder großes Gewühl, der Zug, der zieht zum zehnten Mal)

1994: Met en Gläske voll Bees, so trecke wej döör Rääs (Mit einem Gläschen voll Bääs, so ziehen wir durch Rees)

1995: Fastelowend kenne wej gen Tid en Stond, bej ons in Rääs door geht et rond! (An Karneval kennen wir keine Zeit und Stunde, bei uns in Rees, da geht es rund)

1996: Bej ons in Rääs, door is et kloor, Fastelovend is de mojste Tid int Joor (Bei uns in Rees, da ist es klar, Karneval ist die schönste Zeit im Jahr)

1997: Bej ons in Rääs, door is et gut, wej fiere alle onder einem Hut (Bei uns in Rees, da ist es gut, wir feiern alle unter einem Hut)

1998: Fastelovend in Rääs an de Rhin, is wat för Menze met guje Senn (Karneval in Rees am Rhein ist was für Menschen mit guter Laune)

1999: Fastelovend geht et bej ons in Rääs van gatt, wej trekke met alleman dör de Stadt (Karneval geht es bei uns in Rees laut zu, wir ziehen mit allen zusammen durch die Stadt)

2000: Wat häwe wey Rääse doch en Glöck, Helau meckert bej ons sogar de Seeck (Was haben wir in Rees doch ein Glück, Helau meckert bei uns sogar die Ziege)

2001: Alle Fasteloves gekke drenke Melk van Rääße Szecke (Alle Karnevalsgecken trinken Milch von Reeser Ziegen)

2002: Hier en Stuhl, en dor en Stuhl, en dor de Mettwoss tösse (Hier ein Stuhl und da ein Stuhl, und da die Mettwurst zwischen) 

2003: In Rääs es alles kloor, wej fiere en schonkele wie jedes joor (In Rees ist alles klar, wir feiern und schunkeln wie jedes Jahr)

2004: Und hab ich auch Verdruss im Jahr – zieht der Zug, ist alles klar!

2005: Dronder en dröver geht es överall, in Rääs fiere de Menze Karneval (Drunter und drüber geht es überall, In Rees feiern die Menschen Karneval)

2006: Met völl Pläsier en guje Sinn trecke wej Fastelovend dör Rääß an de Rhin (Mit viel Freude und guter Laune ziehen wir Karneval durch Rees am Rhein

2007: Es dat Geld ok noch so knapp, wej fiere met de Narrekapp (Ist das Geld auch noch so knapp, wie feiern mit der Narrenkappe)

2008: Ook noor füffentwentig Joor blew in Rääs noch alles kloor (Auch nach fünfundzwanzig Jahren bleibt in Rees noch alles klar)

2009: Off ärm off rick, Fasselowend sinn wey alle glick (Ob arm ob reich, Karneval sind wir alle gleich)

2010: Ons Charlie es gut dropp, alle Rääse, die stohn kopp (Unser Charlie ist gut drauf, alle Reeser, die steh’n Kopf)

2011: Wej nähme ons in den Ärm en schunkele ons wärm (Wir nehmen uns in den Arm und schunkeln uns warm)

2012: En wördt et ons ook schwoor gemakt, Festelovend wörd trotzdem gelacht (Und wird es uns auch schwer gemacht, Karneval wird trotzdem gelacht)

2013: Den Humor soll niet verreckke, derteg Joor sin wej an trekke (Der Humor soll nicht verrecken, seit dreißig Jahre ziehen wir)

2014: Fiere kann man överall in Rääs denn Karneval (Feiern kann man überall in Rees den Karneval)

2015: Ob jung, ob alt, der Reeser Zug, der knallt!

2016: Än eens dat es klor, wej trekke noch ens 33 Joor! (Und eins, das ist klar, wir ziehen noch mal 33 Jahre)

2017: Alltagsmenschen trekke dör de Stadt! (Alltagsmenschen ziehen durch die Stadt!)

2018: Meet en Gläske Bees, trekke wej döör Rääß! (Mit einem Gläschen Bääs ziehen wir durch Rees!)  

2019: Wej maake in Rääß dat Lecht an! (Wir machen in Rees das Licht an!)

2020: Hämme wej ok genn Kneipe mehr, Fastelovend fiere wej bes märge! (Haben wir auch keine Kneipen mehr, Karneval feiern wir bis morgen)

2021: Kein Motto, da Zug aufgrund der Covid 19 Pandemie ausfallen musste!

2022: Kein Motto, da der Zug aufgrund der Covid 19 Pandemie ausfallen musste!

2023: „Wej sinn wer dor!“ (Wir sind wieder da!)

2024: „Et ganze Moor blos Stress än Mest - gut, dat et weer Fasselovend es!“ (Das ganze Jahr nur Stress und Mist - gut, dass es wieder Karneval ist!)

2025: „Wej loote Rääs danze!“ (Wir lassen Rees tanzen!)

Die Umzüge im Rückblick

Zum 40-jährigen Jubiläum hat RESSA die Archiv-Ordner des Reeser Karneval Vereins (RKV) durchgeblättert und sich angesehen, welche Themen bei den einzelnen Rosenmontagszügen eine Rolle spielten.

Im Jahr 1984 führten fünf „Transvestiten“ unter dem Motto „Trotz saurem Regen, Gerstensaft bringt Leben“ einen Schneewalzer auf. Auf die Startgelder konnte die Harmonie, aufgrund eines hohen Spendenaufkommens, verzichten.

Bei acht Grad minus machte man sich 1985 über den Stadtdirektor als Spardirektor lustig. Der übergroße Kopf von Gerd Klinkhammer zierte den Themenwagen. 

1986 machten sich die Gecken mit dem Dellstraßen-Hit „Und gehen wir ein bisschen spazieren, dann ham´wer die Schuh voller Sand“ über die Baustellen in der Reeser Innenstadt lustig. Bis wenige Tage vor dem Karnevalszug war nicht sicher, ob der Tross durch die Reeser Innenstadt ziehen kann. Die Nachbarschaft Melatenweg beklagte sich indes darüber, dass jeder echte Reeser in Emmerich zur Welt kommt.

1987 schüttete es aus Kübeln, die Reeser Bauern machten aus dem Eierberg einen Weinberg. Nach jahrelangem Fischsterben wurden im Rhein endlich wieder Fische gesichtet, nach dem Motto: „Der Sandoz-Fisch gehört schließlich auf jeden Tisch.“

Ein Jahr später, 1988, hatte der Wettergott ein Einsehen, und ermöglichte einen trockenen Umzug. Mit einer Kopie des Rhinkiekers als Sprecher, sprach sich die Kolpingfamilie für das Bürgerhaus aus.

Auch 1989 war in mehreren Wagen das Reeser Bürgerhaus Thema, genauso wie Busse und Bahnen oder der Raddampfer „River Lady“. 

Mit „Auf den Weg in den Wilden Westen“ parodierten 1990 die alten Herren des SV Rees den Treck der DDR-Bürger in den Westen.

Schwarzwaldklinik und Alf gab es 1992, und die Schlafmützen aus Empel erinnerten daran, dass auch nach Karneval noch Geld in der Haushaltskasse sein muss – für die deutsche Einheit. Sinnigerweise hatten sie sich dazu als Piraten verkleidet, womit sie gleich den Bezug zu Kanzler Helmut Kohl und Finanzminister Theo Waigel herstellten, die als Bilder auf ihrem Wagen für mehr Geld in der Staatskasse sorgten. Die Kolpingsfamilie nahm mit einem aufwendig gestalteten Wagen die gemeinsame Kläranlage auf die Schippe: „Der Schnelle Brüter hat versagt, jetzt ist Bio angesagt.“

Der Thron des Dorfes Millingen beschwerte sich 1993: „Der Kanal wird wohl nie fäätisch.“ Der Millinger Löschzug stellte bereits die unbeschra(e)nkte Zukunft des Dorfes dar, die mit der Betuwe-Line im Fünf-Minuten-Takt verwirklicht werden soll. Verspottet wurden Stadtdirektor Klinkhammer als „knöllchenwütig“ und Bauamtsleiter Paßlick als „Poller“-Ulli.

Auch 1994 war es wieder richtig kalt, glücklicherweise hatte der Männerchor  „Harmonie“ 1800 Fläschchen Pflaumenlikör namens „Rhinkieker“ unter die Leute gebracht, das half als Frostschutz. Die Feuerwehr Millingen bemängelte die Erhöhung der Mineralölsteuer: „Lässt Bonn die Steuern steigen, müssen Autofahrer leiden.“ Die Pfarrjugend Rees machte mit Maskottchen „Rolf“ Werbung für die neuen Postleitzahlen. 

Die Kolpingsfamilie äußerte sich 1995 zum Koenraad-Bosman-Museum: „Dat Museum in Rääs wird betaalt met Hollandse Kääs“. Konsequenterweise gaben sie das neue Zahlungsmittel  aus: drei Gouda-Räder als folierte Häppchen.

Die Grietherbuscher machten sich 1996 Sorgen um die öffentliche Ordnung in der Stadt, nachdem die Polizeiwache aus Rees abgezogen war. Die Bienener dagegen mahnten: „Bienen ist auch ein Ortsteil von Rees“. Sie steckten Bürgermeister „Bucki“ und Stadtdirektor „Klinki“ gleich in einen Höllentopf.

1997 hatten die Karnevalisten mit starkem Wind zu kämpfen. Auch der Bürgermeister war wieder Thema: „Ist Bucki auch der erste Mann,   an Robin Hood kommt er nicht ran.“ Aber auch Helmut Kohl, die Reeser Rheinfähre Rääße Pöntje und BSE waren Themen im Zug.

Im Jahr 1998 war die „Elchtruppe“ ein Highlight, die an den missglückten Elchtest von Mercedes erinnerte. Neben Mehlmäusen gab es auch Weltraumschweine zu bestaunen.

1999 nahmen sich mehrere Gruppen des Themas „Bad Himmelblau“ an. Die „Karawane Bad Himmelblau“ stellte sich beim Reeser Zug das geplante Freizeitzentrum als Oase vor. Die Prophezeiung des Reiterzuges, „Bad Himmelgrau“, hat sich schließlich bewahrheitet. Seemänner waren aus Grietherbusch gekommen: „Wir sind schlau und schippern bis Bad Himmelblau.“ 

Die Kolpingsfamilie ging 2000 auf die sich ständig ändernde Geschäftswelt in Rees ein: „Aldi, Lidl und Konsorten, wann kommt endlich Horten?“ Aus Allkauf wurde Real, Lidl wollte umziehen, ein REWE-Markt wurde neu eröffnet.

Rosenmontag 2001 hieß es: „Der Clinton trieb´s mit Monica, doch Bush mit ganz Amerika.“ Die Empeler Schlafmützen präsentierten einen prächtigen Wagen mit Märchen aus 2001 Nacht: „Der dicke Kohl und die Parteispenden – nur ein Märchen.“

2002 war der gerade eingeführte Euro ein Thema. Die Sträflinge der Gruppe „Elite“ gaben sich ratlos: „Oh, was waren wir dumm, wer tauscht uns jetzt die DM um?“

2003 war Bad Himmelblau noch immer ein Thema. Die Frauen des Mitternachtsthrons hatten sich in Meeresschönheiten verwandelt: „Das Salz im Meer, das sind wir leid, Bad Himmelblau, mach´ dich bereit. Die „Retter der Enterbten“ lästerten über den Euro: „Selbst Robin Hood, geht am Euro kaputt. Die Reeser Pfarrjugend widmete sich als Dosen verkleidet dem Thema Pfand-Automaten. Der Turnverein präsentierte zum 20. Jubiläum noch einmal alle Kostüme, die von den Mitgliedern in den letzten zwei Jahrzehnten getragen wurden.

Die gescheiterten Pläne zum Reeser Meer waren 2004 für die KK-Gruppe Grietherbusch das Thema: „Bad Himmelblau ist nicht mehr da, drum gehen wir nach Sansibar“. Die Jungschützen veranstalteten ihr eigenes Dschungelcamp. Auch Blau-Weiß Bienen bediente sich beim Sender RTL: „Bienen sucht den Superstar.“ Aus dem Kino nahmen die „Schlafmützen Empel“ den Zauberer Harry Potter: „Hokus pokus fidibus, sonst ist mit unsrer Knete Schluss. Ob Rente, Krankheit oder Maut, wir werden vom Staat beklaut.“

2005 wurde gegen die Gesundheitsreform gewettert. Die „Unentwegten“ verpassten Ulla Schmidt, der damaligen Bundesministerin für Gesundheit, gleich eine dicke Spritze in den Allerwertesten. 

Topaktuell waren die Narren am Rosenmontag im Jahr 2006: Fußball-WM in Deutschland, Mozartjahr, Große Koalition, Olympische Winterspiele, Vogelgrippe, die Baustelle Empeler Straße und die neue Stadtwache. 

Der Reeser Rosenmontagszug feierte 2008 das 25. Jubiläum und gönnte sich mit Prinz „Bruno I. von Strahlemann und Fröhlichkeit“ (Bruno Ketteler) und Prinzessin „Mariehilde von Rat und Tat“ (Mariehilde Henning) ein Prinzenpaar. Der SV Haldern machte auf sein Platzproblem aufmerksam: „Nein, das ist kein hohler Satz, Haldern braucht den dritten Platz.“

Die Interessengemeinschaft „Spaß“ aus Bienen waren 2009 mit einer Lokomotive „Emma“ und Jim-Knopf- und Lukas-Marionetten am Start. Hier stand das Thema Betuwe-Linie im Mittelpunkt.

Ab 2011 mussten die Veranstalter nach der Loveparade-Katastrophe eine Vielzahl von Vorgaben erfüllen. Die Narren nahmen mehrfach die leere Reeser Stadtkasse aufs Korn. Die „Harmonie“-Frauen zauberten als Hexen: „Spinnenbein und Mäusedreck, die Schulden unserer Stadt sind weg.“ Als zweibeinige Geldsäcke verkleidet, meinte die kfd: „Rääß het geen penning mehr op säck.“ Auch die Freiwillige Feuerwehr machte als knallrote Feuerlöscher auf die angespannte Finanzlage aufmerksam.

Das Sparen stand 2012 als Thema im Mittelpunkt, beispielsweise bei den „Harmonie“-Frauen: „Unseren Euro wollen wir retten, drum müssen wir ihn in Strümpfe stecken.“ 

2013 wurde erstmals ein Partyzelt am Westring aufgestellt, fünf Jahre hatten die Planungen und die Genehmigung in Anspruch genommen. Die Bienener Schützen machten dem Pächter-Ärger an ihrem Bürgerhaus Luft: „Wer wie was? Die Bienener haben Brass! Wieso weshalb warum? Mit´m Bürgerhaus läuft´s dumm.“ Und auch das Reeser Stadtbad wurde vom 1. Zug der Feldmarker Schützen auf die Schippe genommen: „Ist das Budget auch noch sein klein, ein neues Stadtbad, das muss sein.“

Es wurde 2014 gegen die Betuwe, gegen den Ex-Kanzleramtsminister Ronald Profalla und gegen die „Winkenden Hände“ gewettert.

2015 war der erste Zug, der unter der Leitung des Reeser Karneval Vereins organisiert wurde. Die „Harmonie“ hatte ihren Wagen zur historischen Kleinbahn umgebaut, wie sie einst zwischen Rees und Empel fuhr. 2015 glaubte man noch an eine baldige Bebauung des NIAG-Geländes.

Wegen einer Sturmwarnung wurde der Rosenmontagszug 2016 kurzfristig abgesagt, 2019 wurde er wegen erneuter Böen um einige Stunden verlegt. 2020 kannte man zwar das Wort „Corona“, ahnte aber nicht, dass nur einen Monat nach dem Umzug der erste Lockdown und anschließend eine lange Karnevalspause folgen würden. In 2023 konnte dann endlich wieder Karneval gefeiert werden, in 2025 präsentierte sich erstmalig die RKV Garde der Öffentlichkeit!

Die Verkaufsartikel

Seit 1984 gab es 37 verschiedene Verkaufsartikel, die zur Finanzierung des Zuges angeboten wurden. „Harmonie“-Sänger Günter Heuser und seine Frau Inge haben die beachtliche Sammlung an Verkaufsartikeln aufgehoben. Nur ein einziger Artikel konnte nicht auf Dauer konserviert werden: die Mettwürstchen aus dem Jahr 2002. Für eine kleine RESSA-Ausstellung zum Thema Rosenmontagszug, im Schaufenster des Ladenlokals Dellstraße 23, im Frühjahr 2021 ergänzte Metzgermeister Ernst-August Voß ein frisches Duo Mettwürste für die Ausstellung.

1984​ Autoaufkleber (1000 Stück wurden gedruckt und für 2,00 DM verkauft)​

1985​ Karnevalshüte (zwei Stück für 5,00 DM)​

1986​ Ansteckröschen (1250 Stück wurden zu je 2,00 DM verkauft)​​

1987​ Clownschleife, in verschieden Farben (600 Stück wurden zu je 5,00 DM verkauft) ​

1988​ Ansteckrosetten (3,00 DM)

1989​ Herzdosen mit Bonbons (1000 Stück wurden zu je 2,50 DM verkauft)​

1990​ Keramikmasken, vier unterschiedliche Modelle (3,00 DM)

1991​ Klammerclowns​​​​​​

1992​ Klammerclowns (1000 Stück wurden für 4,00 DM verkauft, 1,00 DM war der Erlös pro Stück)

1993​ Schirme ​(600 Stück wurden für 10,00 DM verkauft)​

1994​ Gläschen mit Flasche (1800 Stück wurden für 5,00 DM verkauft)​

1995​ T-Shirt mit Aufdruck in den Größen M und XL (10,00 DM)​

1996​ Button mit Till Eulenspiegel (2,50 DM)​

1997​ Hütchen (5,00 DM)​

1998​ Kaffeebecher​​​​​

1999​ Reisebecher, ausziehbar​​​​​​

2000 ​Button mit der Reeser Ziege​​​​​​

2001​ Gläschen mit Flasche „Ziegenmilch“​​​​​​

2002​ Aufkleber / Mettwurst​​​​​​

2003​ Baumwolltasche mit Aufdruck​​​​​​

2004​ Reeser Till​​​​​​

2005​ Clown​​​​​​

2006​ Schnapsstamperl mit vier verschiedenen Sprüchen​​​​

2007​ Schellemänneken​​​​​​

2008 ​Gardisten​​​​​​

2009​ Blinkie Clown​​​​​​

2010​ Charlie Ansteck-Clown​​​​​​

2011​ Clown auf der Schaukel​​​​​​

2012​ Schlüsselclown als Flaschenöffner​​​​​​

2013​ Clown-Duo, Anstecker und Schlüsselanhänger​​​​

2014​ Happy-Clown, vier verschiedene Sitzclowns​​​​​

2015​ Blinkender Clown, ansteckbar​​​​​​

2016​ Jubiläumsbutton​​​​​​

2017​ Kamellebeutel​​​​​​

2018​ Schlüsselanhänger

2019​ Pinnekes 

2020​ Bierdeckel​​​​​​

2021 Nix  - Corona Pandemie

2022 Nix - Corona Pandemie

2023 Hüte

2024 Rote Gürteltasche mit RKV-Logo

2025 Bunte  Pinnekes mit Band

2026 Warnweste